Ein kleiner Markt mit großem Potential: Amazons Food Segment boomt

06.10.2022

Immer noch sind Lebensmittel auf Amazon eine unterschätzte Produktkategorie. Dabei erlebt das Geschäft mit Essen und Getränken im Netz gerade einen Aufschwung. Lohnt sich der Verkauf von Snacks & Co. für Händler auf Amazon?

Online-Handel mit Lebensmitteln und Getränken wird immer beliebter

Das Geschäft mit Lebensmitteln und Getränken auf Amazon ist schon lange nicht mehr neu. In Amerika boomt der Handel mit Nahrungsmitteln über die Plattform und auch in Europa machen immer mehr Verbraucher ihren Wocheneinkauf im Internet.

Schätzungen zufolge soll allein in Deutschland der Handel mit Lebensmitteln und Getränken im Netz bis 2025 einen Umsatz von über 18 Mrd. Euro erreichen. Für 2022 liegt der prognostizierte Wert im Vergleich dazu für Getränke bei 3,3 Mrd. Euro und für Lebensmittel bei 5,5 Mrd. Euro. Auch der Average Revenue Per User steigt: Lag der durchschnittliche Erlös pro Nutzer im E-Commerce-Markt für Lebensmittel 2020 noch bei 106 € pro Nutzer, stieg er während der Corona-Pandemie stark an und soll 2025 bei 132 € liegen. Wenn man den Prognosen glaubt, dass bis dahin mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung zumindest ab und an seine Lebensmitteleinkäufe im Internet tätigt, verspricht das große Chancen für den Vertrieb von Nahrung im Netz.

Sowohl was die Beliebtheit angeht als auch in Sachen Umsätzen ist Amazon in Deutschland Spitzenreiter. Laut der „Global Consumer Study 2022“ von Statista ist Amazon 2022 die beliebteste Online-Plattform der Deutschen für den Lebensmittelkauf im Netz. 2020 belegte Amazon hinter Rewe den zweiten Platz der umsatzstärksten Online-Anbieter im Food & Beverage-Segment.

Und auch in Österreich wird der Online-Händler immer mehr für den Einkauf von Lebensmitteln genutzt. Laut dem „Digital Market Outlook“ von Statista werden die Umsätze im E-Commerce-Markt für Lebensmittel und Getränke in Österreich im Jahr 2025 bei 224 Millionen Euro liegen, 2018 waren es noch 97 Mio. Euro. Allein bis zum nächsten Jahr soll sich laut Prognosen der Online-Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zu 2018 in Österreich damit mehr als verdoppeln. Mit rund 19,4 Mio. Euro war Amazon schon 2019 der umsatzstärkste Online-Anbieter für Lebensmittel und Getränke in Österreich. Und auch was die Beliebtheit bei den Kunden angeht, wird Amazon in Österreich nur von dem Konkurrenten Billa überholt.

Obwohl die starken Wachstumsschübe in der Branche durch Corona im Laufe der nächsten Jahre wieder auf ein normales Niveau abflauen werden, geht der Trend zum Lebensmitteleinkauf weltweit nach oben. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Großteil der Bevölkerung zögerte, Lebensmittel online zu kaufen. Allein in Europa und den USA werden bis 2025 jährliche Wachstumsraten von 8 Prozent im B2C FMCG-E-Commerce verzeichnet, mit Nahrungsmitteln und Getränken als die am schnellsten wachsenden Kategorien (Statista eCommerce Report 2021). Auch wenn die Pandemie sich als kräftiger Motor erweist – nachdem viele Verbraucher in den letzten zwei Jahren zum ersten Mal Lebensmittel online eingekauft haben und es ihnen gefallen hat, werden sie dies auch weiterhin tun, selbst wenn die Pandemie abklingt. Es wird Zeit, sich dem Potential des Segments zu widmen.

Amazon Bulk Upload

Amazons Weg in den Lebensmittelmarkt

Aber fangen wir von vorne an: 2007 startet Amazon seinen Lebensmittel- und Getränke-Shop auf der Plattform in den USA. Gleichzeitig wird Amazon Fresh ins Leben gerufen, Amazons Lebensmittellieferdienst für Prime-Mitglieder. Kunden können dort Lebensmittel bei lokalen Einzelhändlern bestellen, die von unabhängigen Vertragspartnern am selben oder nächsten Tag geliefert werden.

2010 öffnet Amazon sein Segment für Lebensmittel und Getränke auch in Deutschland und Österreich. Die Bestellung kann dort sowohl über Amazon selbst als auch über viele Handelspartner abgewickelt werden, was vor allem bei Frischeprodukten der Fall ist. Amazon selbst verschickt vor allem Großpackungen von haltbaren Lebensmitteln und Getränken. Die pünktliche und frische Lieferung in einer Box, stellt sich anfangs jedoch noch als problematisch heraus.

Dass der Service rund um Lebensmittel und Getränke Verbesserungspotential hat, erkannte Amazon dann auch und eröffnet 2014 seinen ersten Prime Now Standort in New York. Prime Now besorgte für Prime-Abonnenten Artikel aus lokalen Lebensmittelgeschäften, mit einem Aufschlag von 7,99 US-Dollar für Lieferungen innerhalb einer Stunde und ohne zusätzliche Kosten für diejenigen, die bereit waren, eine Stunde länger zu warten. Innerhalb weniger Monate gab es das Angebot in zahlreichen amerikanischen Großstädten.

Seitdem hat Amazon in seinem Bestreben den Lebensmittelmarkt zu revolutionieren eine Reihe an Diensten rund um das Geschäft mit Lebensmitteln eingeführt oder transformiert – etwa Amazon Fresh, Amazon Go oder Amazon Pantry – und kaufte 2017 für 13,7 Milliarden US-Dollar auch die amerikanische Supermarktkette WholeFoods. Ein Jahr später eröffnete Amazon seine erste AmazonGo Filiale in Seattle, ein sensorgesteuerter, kassenloser Supermarkt. Für 2020 kündigte Amazon einen Remix für Amazon Fresh an: Aus der Tochtergesellschaft sollte ein Lebensmittelgeschäft wie WholeFoods werden mit dem kassenlosen Erlebnis von Amazon Go unter Beibehaltung der digitalen Seite. Das Konzept ging auf, in den USA eröffneten mehrere Filialen und 2021 die erste Europa-Filiale in London.

Was für Chancen bieten sich für Amazon Seller?

Aber wie ist es um das Drittanbietergeschäft mit Lebensmitteln auf der Plattform selbst bestellt? Auch wenn der Handel mit Lebensmitteln auf Amazon immer noch ein Nischengeschäft ist, lohnt es sich dennoch immer mehr für Anbieter auch einen Blick auf diese Sparte zu werfen.

In den nächsten Jahren wird Amazon seine Online-Verkäufe von Lebensmitteln und Getränken weltweit fast verdoppeln prognostiziert der CPG-Marktforscher Edge by Ascential.

Der Umsatz des Unternehmens mit Lebensmitteln wird voraussichtlich von 14,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 auf 26,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 steigen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 13 Prozent entspricht, so der aktuelle „Food and Beverage Sector Report“.

Entscheidend für Amazons Wachstum ist laut dem „E-Commerce Germany Report“ der Universität St. Gallen der Marktplatz auf dem auch Drittanbieter ihre Waren anbieten können. Bereits jetzt wird das Wachstum von Amazon überwiegend durch das Marktplatzgeschäft getragen. Und auch innerhalb des Lebensmittelsegments auf der Plattform sind es die angeschlossenen Händler, die mehr als die Hälfte der Umsätze generieren. Dem „Future of Marketplaces Report 2022“ (Edge by Ascential) zufolge werden Lebensmittel bis 2027 die am schnellsten wachsende Kategorie für Online-Verkäufe von Drittanbietern sein. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate soll 11 Prozent betragen.

Für Deutschland zeigt der Report des Internet-Datendienstes One Click Retail, dass auch hier der Verkauf von Lebensmitteln über Amazon stark zunimmt. Mit einem Zuwachs von 33 Prozent zum Vorjahresquartal, gingen dort schon 2018 Lebensmittel im Wert von 65 Millionen Euro über die virtuelle Ladentheke. Gemessen am Umsatz ist Deutschland neben Großbritannien im Lebensmittelhandel der wichtigste Markt für Amazon in Europa. Auch hier wird die überwiegende Menge an Lebensmitteln über Dritthändler auf dem Marketplace vertrieben (Handelsblatt).

Getränke, Grundnahrungsmittel und Snacks sind dabei die größten und schnellst wachsenden Kategorien im Lebensmittelbereich – die All-time Klassiker im Food-Segment auf Amazon. 2018 machten allein alkoholische Getränke einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro aus. Das bestverkaufte einzelne Produkt: ein 15 Jahre alter Single-Malt Whiskey. Vor allem aufgrund der recht hohen Gewinnmarge, ein interessanter Markt für Amazon-Händler.

Die verbleibenden Top-Kategorien – Snacks, Frühstücksartikel und Süßigkeiten – zeigen, dass sich vor allem nicht-verderbliche Waren besonders gut auf Amazon verkaufen lassen. So ist Kaffee das erfolgreichste Produkt im Lebensmittelverkauf auf Amazon. Aber vor allem auch gesündere Snacks, Superfoods und Bio-Waren („organic“ ist eines der meistgenutzen Keywords im Zusammenhang mit der Lebensmittelsuche auf Amazon) sind nach wie vor sehr gefragt. Kerne, Samen und Nüsse sowie getrocknete Früchte dominieren die Lebensmittelkategorie auf der Plattform.

Bei Frisch- und Kühlwaren herrscht sowohl was Angebot als auch Abnahme angeht immer noch Zurückhaltung. Verständlich, wenn man bedenkt, was für einen logistischen Aufwand die Lagerung und Lieferung mancher Produkte bedeutet. Die Vorteile des Geschäfts mit Trockenwaren liegen klar auf der Hand: einfache Lagerung, unkomplizierte Lieferung, lange Haltbarkeit. Sowohl für Händler als auch Kunden ein Gewinn. Vor allem bei Produkten, die regelmäßig gekauft werden, bietet der Online-Einkauf große Kundenvorteile. Die 24/7-Öffnungszeiten und die Lieferung von schweren Produkten direkt vor die Haustür werden für vielbeschäftigte Berufstätige oder Eltern, die überfüllte Einzelhandelsgeschäfte vermeiden wollen, immer attraktiver.

Auch für Start-Ups und kleinere Marken ist das Geschäft auf Amazon interessant. Laut aktuellen Erhebungen von Edge Retail sind es nicht nur etablierte Marken, welche in den großen Lebensmittel-Kategorien führend sind: Die relativ niedrige Markteintrittsbarriere auf Amazon sorgt dafür, dass auch Herausforderer und Start-Ups in diesem Bereich gute Chancen haben, umsatztechnisch vorne mitzuspielen und mit intelligenten Strategien auch große Mitbewerber zu überholen.

Fazit

Der Online-Handel mit Lebensmitteln nimmt immer mehr Fahrt auf. Der Lebensmittel- und Getränke-Markt im Netz ist zwar immer noch klein, gleichzeitig hat er sich in den letzten Jahren aber zu der am schnellsten wachsenden Produktkategorie nicht nur auf Amazon, sondern im gesamten E-Commerce entwickelt. Gerade die vergleichsweise niedrige Marktdurchdringung und das gleichzeitig große Wachstumspotential machen das Geschäft mit Lebensmitteln auf Amazon attraktiv für Händler.

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